Für bestimmte technische Einsatzlagen, wie z.B. die Bergung von LKW oder umgestürzter Anhänger und Nutzfahrzeuge verfügt der Technische Zug aktuell über zwei fahrzeuggebundene Seilwinden. Insbesondere bei LKW und / oder deren Anhänger, welche sich festgefahren haben oder beispielsweise eingesackt sind, bzw. in Schräglage sind, kommen diese je nach Lage und Untergrund zum Einsatz. Zudem werden die Seilwinden bei Sturmeinsätzen zum Umziehen von Bäumen oder Stämmen, sowie größerer Äste eingesetzt.

Der GKW 1 verfügt über eine eingebaute hydraulische Seilwinde des GKW I (Zugkraft im direkten Zug: 50 kN (5 t), umgelenkt z.B. über Heck: 100 kN (10 t). Der GW-Rüst 3 verfügt über eine eingebaute Seilwinde (Zugkraft im direkten Zug: 80 kN (8 t).

Zusätzlich ist auf den Fahrzeugen entsprechendes Zubehör verlastet. Dazu zählen u.a. umfangreiche Anschlagmittel in Form von Rundschlingen und textilen Hebebändern bis zu einer Vergütung von 10 t und 20 m Umfang, sowie Umlenkrollen bis 6,4 t (mobil) bzw. 10 t (fahrzeuggebunden), Drahtseile, Seilwindenkeile, Anschlagketten, Anschlagstücke und diverse Schäkel.

Die Seilwindenzugkraft des GKW 1 ist aktuell mit Ausnahme des Feuerwehrkran Liebherr LTM 1060/2 der Technik- und Umweltwache das leistungsstärkste Zugmittel bei der Feuerwehr Hamburg, mit Stand des heutigen Tages, wenngleich im indirekten Zug. Als mögliche taktische Ergänzung stehen uns zudem ggf. noch Mehrzweckzüge mit Umlenkrollen bis 6,4 t zur Verfügung.

      

      

Einsatzbilder mit freundlicher Genehmigung von Christoph Leimig, FPH.

 

Leistungsübersicht Seilwinden:

GKW 1

Hersteller / Typ: HPC hydraulische Seilwinde mit Seilwickler
Max. Zugkraft Front (dynamisch): 50 kN
Max. Zugkraft Heck (dynamisch): 100 kN
Max. Haltekraft Front (statisch): 50 kN
Max. Haltekraft Heck (statisch): 100 kN
Nutzbare Seillänge: 60 m
Seildurchmesser: 14 mm
Mindestbruchlast Seil: 172 kN

GW-Rüst 3

Hersteller / Typ: Rotzler Treibmatic
Max. Zugkraft Front (dynamisch): 80 kN
Max. Zugkraft Heck (dynamisch): N/A
Max. Haltekraft Front (statisch): 96 kN
Max. Haltekraft Heck (statisch): N/A
Nutzbare Seillänge: 60 m
Seildurchmesser: 16 mm
Mindestbruchlast Seil: 220 kN

 

Am Samstag, den 06.06.2020 war der gesamte Technische Zug der FF Eppendorf zeitintensiv bei einem ausgedehnten Dachstuhlbrand (Feuer 3. Alarm) im Stadtteil Altona gebunden. Es brannten Teile eines Flachdaches eines viergeschossigen Bürogebäudes einer ehemaligen Brauerei. Wir waren über mehrere Stunden ab dem frühen Morgen mit insgesamt 16 Einsatzkräften und 3 Fahrzeugen samt Lichtmastanhänger an der Einsatzstelle um mit mehreren Atemschutzgeräteträgern, gesichert durch die SEG-Höhenrettung über Toprope-Sicherungen vom TMF53, auf dem Dach diverse Dachhautöffnungen zur taktischen Ventilation mittels Rettungssägen durchzuführen. Die Arbeiten gestalteten sich aufgrund der Dachkonstruktion als zeitintensiv und materialintensiv. Das Flachdach wurde insgesamt auf ca. 60m² aufgenommen.

Gegen kurz vor fünf morgens wurde das Feuer gemeldet. An der Einsatzstelle gab es im Dachbereich des Brandobjektes eine starke Rauchentwicklung begleitet von einem teilweise starken Flammenschlag. Es wurde eine massive Brandbekämpfung im kombinierten Innen- und Außenangriff über mehrere Zugänge und Hubrettungsfahrzeuge mittels bis zu 6 C-Rohren vorgetragen. 


Die weitere Brandausbreitung wurde gestoppt. Intensive Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauerten über längere Zeit. Bereits an der Einsatzstelle begannen erste Hygienemaßnahmen für unsere Einsatzkräfte. Im weiteren Verlauf sind alle unsere eingesetzten Atemschutzgeräteträger zum Duschen an die Feuer- und Rettungswache Alsterdorf gefahren. Gegen Mittag waren sämtliche Einsatzgeräte wieder gereinigt und Instand gesetzt, und die Einheit uneingeschränkt einsatzbereit.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Peters.

 

Am Dienstagnachmittag des 19.05.2020 wurde die FF Eppendorf mit GKW und GWR3 nach HH-Langenhorn gerufen. Die Freiwillige Feuerwehr Langenhorn war zuvor zu einem Baum in schwieriger Lage alarmiert worden und hatte aufgrund dessen und wegen der schwierigen Zuwegung zunächst den Bereichsführer Nord zur Entscheidungshilfe für das weitere Vorgehen angefordert. Es handelte sich um einen ca. 16m hohen vierstämmigen Ahorn mit einem Gesamtstammdurchmesser von 65cm.

Die Einsatzstelle war lagebedingt mit Hubrettungsfahrzeugen nicht zu erreichen und kein natürlicher Festpunkt vorhanden. Nach Eintreffen und kurzer Erkundung mit dem BERF wurde die FF Eppendorf mit technischem Spezialgerät, wie Anschlagmittel samt Erdanker mit großen Erdnägeln zu Sicherungszwecken nachgefordert. Der am Stammfuß massiv aufgerissene Baum drohte auf bewohnte Lauben in einem KLGV zu fallen. Es bestand die Gefahr des unkontrollierten Umstürzens.

Die Stämme wurden sukzessive über tragbare Leitern angeschlagen, danach mit der Kettensäge angesägt und über den Greifzug mittels dem gesetzten Erdanker umgezogen. Weitere Schäden konnten erfolgreich verhindert werden. Insgesamt waren wir inklusive Reinigungsmaßnahmen ehrenamtlich über 3,5 Std. im Einsatz.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von FPH.

 

Der LIMA/GA erreicht bei voll ausgefahrenem Teleskopmast eine Höhe von 9 m ab Erdboden und ist abgestützt bis Windstärke 11 Bft. einsetzbar. Die gesamte Aufnahmebrücke der 6 Scheinwerfer (2x Halogenflutlichtbreitstrahler mit je 1500W, 4x Halogenmetalldampflampen je 1000W) ist um 350° horizontal und 180° vertikal schwenkbar, wovon zwei Brücken unabhängig voneinander nochmals um 90° nach außen drehbar sind. Dadurch ist es möglich z.B. große Flächen am Boden sowie eine Hochhausfassade gleichzeitig auszuleuchten.

An der Technik- und Umweltwache (F32) wurden 2009 mit dem Feuerwehrkran Liebherr LTM 1060/2 drei Versuche gemacht:
1.) Wie ist eine optimale Ausleuchtung in der Fläche durch den LIMA/GA an Einsatzstellen mit Kranbetrieb bei ausreichender Fläche umzusetzen?
2.) Wie ist eine optimale Ausleuchtung durch den LIMA/GA an Einsatzstellen mit Kranbetrieb bei begrenzter Fläche unter Berücksichtigung der Aufstellfläche des FWK umzusetzen?
3.) Wie ist eine optimale Luftverlastung bzw. Kranfähigkeit mittels welcher eigenen Anschlagmittel für den LIMA/GA innerhalb kürzester Zeit für eine Sonderlage umzusetzen?
 
Ergebnisse:
1.) Eine optimale und großflächige Ausleuchtung mit einer Tiefenwirkung von 30 Lux Lichtleistung kann ohne Verlust auf einer Fläche von ca. 40x40m abgegeben werden. Für den Kranbetrieb bei Dunkelheit entsteht ein blendfreies Arbeitslicht. Je höher die Lichtpunkthöhe, desto geringer die Schattenzone und größer die Ausleuchtungsbreite.
2.) Eine optimale Ausleuchtung ist sowohl im Nah- als auch Fernbereich möglich.
3.) Eine Kranfähigkeit durch den FWK ist technisch gemäß AVS Aggregatebau in kürzester Zeit mit eigenen Anschlagmitteln realisierbar. Es ist möglich den LIMA/GA auf eine andere Ebene (z.B. Parkdeck, Schiffsdeck, Schwimmponton) zu heben, wo keine natürliche oder bauliche Zuwegung vorhanden ist, um dort zur Energieversorgung oder Ausleuchtung eingesetzt zu werden.

 

Für bestimmten spezielle technische Einsatzlagen, wie bei Gebäude-, Wand- oder Deckeneinstürzen ist das sogenannte „breaking & breaching“ erforderlich. Letzteres bezeichnet das technische Eindringen in Gesteins- bzw. bauliche Strukturen.

Beim Technischen Zug werden für diese Sonderlagen u.a. elektrische Bohr-, Schlag- und Abbruchhämmer, aber auch Trennschleifer mit Spezialtrennscheiben für den Naß- und Trockenschnitt in Beton vorgehalten.

Die Bohr- und Schlaghämmer haben zwei verschiedene einsatztaktische Funktionen:

Mit der „Schlagfunktion“ können u.a.
- Wand- und Mauerdurchbrüche durchgeführt werden,
- Trümmer aus Natur- und Kunststeinen, wie Mauerwerk oder Beton zerkleinert werden.

Hierfür stehen sog. Flach-, Spitz- und Hohlmeißel bzw. Kanalmeißel in verschiedenen Stärken und Längen bis 550mm Länge zur Verfügung.

Mit der „Bohrfunktion“ können z.B. Bohrlöcher für
- den Einsatz von Spaltwerkzeugen für die Öffnung in Wänden zur technischen Rettung von Personen geschaffen werden,
- die Zuführung von Frischluft nach Wand- oder Gebäudeeinstürzen (z.B. bei versperrten Räumen),
- Öffnungen von Endoskop- oder Snake-Eye-Kameras zur Erkundung,
- die Brandbekämpfung bei Schwelbränden in Wänden, zum Einbringen von geeignetem Löschmittel oder Netzmittel über wasserführende Armaturen,
- den Einsatz von Löschnägeln, wie z.B. bei Dehnungsfugenbränden,
- die Schaffung von Verankerungsmöglichkeiten in Mauerwerk und Beton dienen.

Hierfür stehen Bohrer in verschiedenen Stärken und Längen zu Verfügung, darunter sog. Hammerbohrer und Spiral- bzw. Wendelbohrer mit Eindringtiefen bis zu 800m.

Die Abbruchhämmer sind hingegen speziell für Deckendurchbrüche geeignet.

      

      

Hamburg-Eimsbüttel, Personen verschüttet, 18.03.2020

Am frühen Mittwochnachmittag wurde die FF Eppendorf mit dem gesamten Technischen Zug erneut mit diversen weiteren Einsatzkräften zu einer verschütteten Person alarmiert. Gemeldet war ein Tiefbauunfall im Stadtteil Eimsbüttel. Ein Arbeiter war nach Aufgrabungsarbeiten in ca. 3m Tiefe direkt an der Hauswand bis zum Hals verschüttet. Die Einsatzstelle befand sich in einem Hinterhof und war nicht mittels DLK oder Saugwagen zu erreichen. Wir waren mit 16 Einsatzkräften vor Ort, um personal- und materialintensiv eine Abstützung des Grabenverbaus, Ausgrabungen auf engstem Raum und weitere Sicherungsmaßnahmen gegen Abrutschen und Nachsacken, u.a. mittels Bodenplatten, Pallhölzern, Windenstützen und sog. Grabentafeln durchzuführen.

Zudem wurden zwei hydraulische Rettungsgeräte eingesetzt und ein Rollgliss über eine 3-tlg. Steckleiter mit Rettungswindel als Redundanz für eine technische Rettung vorbereitet. Nach ca. 2 Std. intensiver Rettungsarbeiten und Ausgrabungen mit Klappspaten auf engstem Raum, konnte der Arbeiter durch die anwesenden Einsatzkräfte gerettet und an den Notarzt des RTH Christ. 29 übergeben werden. Insgesamt waren wir inkl. Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft rund 4 Std. im Einsatz.

      

    

Mit freundlicher Genehmigung von Marco Zitzow, Michael Arning, Sebastian Peters

Pressebericht der Feuerwehr Hamburg: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/82522/4550468

 

Titel-Banner mit freundlicher Genehmigung von Michael Arning